Angstfieber versus Nüchternheit

Angst_Hoffnung
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Auf immer mehr Demonstrationen gegen die Corona-Maßnahmen der Bundesregierung und Landesregierungen treten Rednerinnen und Redner auf, die Angst beschwören.

Angst vor der »Corona-Diktatur«, nicht etwa Angst vor dem Corona-Virus.

Sie tragen als Aufnäher gelbe Sterne mit dem Wort »Ungeimpft«. Man will sich ebenso als Opfer des Staates abgestempelt fühlen, wie die Juden, die während des Dritten Reiches solche Sterne tragen mussten.

Ein Kind wird auf die Rednerbühne geschickt. Es soll schildern, dass es sich wie Anne Frank gefühlt hat, weil es seinen Geburtstag nur ganz heimlich feiern durfte, damit die Nachbarn sie nicht verraten. Eine junge Frau setzt sich mit Sophie Scholl gleich, der Widerstandskämpferin. Man will die gleiche Angst heraufbeschwören, die diese Menschen währen des Dritten Reiches spüren mussten. Anne Frank wurde aus ihrem Versteck gezogen und kam im Konzentrationslager um. Sophie Scholl wurde verhaftet und mit dem Fallbeil hingerichtet.

Spiel mit der Angst — um sich der wahren Angst vor dem Virus nicht stellen zu müssen?

Spiel mit der Angst — um möglichst vielen anderen Angst zu machen.
 
Spiel mit der Angst — um unsere Gesellschaft durch Angst zu spalten!

Man spielt mit der Angst und nimmt in Kauf, dass die Angst immer stärker wird und einen überschwemmt, was man dann mit noch mehr Angst bekämpfen will — ein Fieberkreislauf, der nur eines stärkt: Die Angst.

Eine Angst, die alles glauben will, was das eigene Weltbild bestätigt — bis ein Gespräch zwischen Verfechtern verschiedener Standpunkte nicht mehr möglich ist.

Jeder glaubt dann nur noch, was ins eigene Weltbild passt. Zum Teufel mit den Fakten!

Ähnliches Verhalten von Menschen gab es im Lauf der Menschheitsgeschichte immer wieder. So werden zum Bei-spiel aus dem Römischen Reich ganz ähnliche Verhaltensweisen überliefert, wie wir sie heute wieder erleben. Der Apostel Petrus hatte im Lauf seiner Missionstätigkeit immer wieder damit zu tun, denn auch der Christenhass im ersten Jahrhundert war irrational und angstgeprägt. Petrus fasst das Ganze in ein Bild und knüpft daran den Rat, wie man als Christin und Christ mit solch einer verrückten Welt mit irrationalen Ängsten und irrationaler Wut umgehen kann:

Werft alle eure Sorge auf Gott, denn er kümmert sich um euch!

Seid nüchtern, seid wachsam! Euer Widersacher, der Teufel, geht wie ein brüllender Löwe umher und sucht, wen er verschlingen kann.

Leistet ihm Widerstand in der Kraft des Glaubens! Wisst, dass eure Brüder und Schwestern in der Welt die gleichen Leiden ertragen.

Der Gott aller Gnade aber, der euch in Christus zu seiner ewi-gen Herrlichkeit berufen hat, wird euch, die ihr kurze Zeit lei-den müsst, wieder aufrichten, stärken, kräftigen und auf festen Grund stellen.

Sein ist die Macht in Ewigkeit. Amen.

(1. Brief des Petrus 5,7–11) 

 

Kein spektakulärer Rat, den der Apostel hier gibt. Einfach nur nüchtern und wachsam bleiben — sich nicht vom grassierenden Angstfieber anstecken zu lassen. Unsere Ängste und Sorgen haben eine Adresse. Wir dürfen sie auf Gott werfen und der kommt für die allerbeste Erledigung auf.
 
Nüchtern und wachsam bleiben — ein Löwe umschleicht in der Nacht eine Schafherde und versucht, durch sein Gebrüll die Schafe in heillose Panik zu versetzen, damit sie verwirrt und verängstigt aus der Hürde ausbrechen und er sie reißen kann.

Petrus vergleicht den Teufel mit einem Löwen. Der Teufel will die Taktik des Löwen auf uns Menschen anwenden. Der Teufel spielt mit unserer Angst. Wir sollen verwirrt und verängstigt aus den Hürden unserer Zivilisation ausbrechen. Wir sollen verwirrt und verängstigt aus den Hürden Jesu Christi ausbrechen. Dann kann er unsere Gesellschaft und auch unsere Kirche und unseren Glauben ins Chaos stürzen.

Nüchtern und wachsam bleiben — gehalten von Christus und deshalb immun gegen das Angstfieber.

Nüchtern und wachsam bleiben — offen zum Zuhören und zum Gespräch.
 
Nüchtern und wachsam bleiben — denn Gott wird uns aufrichten, stärken, kräftigen und auf festen Grund stellen — wieder und immer wieder. 
Sein ist die Macht in Ewigkeit. Das ist gewisslich wahr.

Stephan Ranke