Lockdown am Ende des Kirchenjahres

Berge
Bildrechte: Christophe Schindler auf Pixabay
Lockdown am Ende des Kirchenjahres


Während die Infektionszahlen wieder steigen, und uns un-sere Regierungen wieder nach Hause in einen teilweisen Lockdown schicken, tut die Natur das gleiche. Die Blätter fallen von den Bäumen, der Himmel färbt sich überwiegend grau, die Temperaturen fallen. Ein Lebenszyklus in  geht zu Ende. Der Winter kehrt ein. Diese Naturerscheinungen schicken uns eine Mahnung: So wie die Blätter von den Bäumen jetzt ein Ende finden, so findet alles einmal ein Ende. 
Diese Mahnung greift unser Kirchenjahr auf. Traditionell gehören die letzten Sonntage der Auseinandersetzung mit dem Ende. Gemeint ist damit sowohl unser eigenes Ende, das heißt unser eigener Tod, als auch das Ende der gesamten Schöpfung. 
Ein alter Hymnus aus den Tagzeitengebeten der Mönche besingt dieses Thema: 

Tod und Vergehen / waltet in allem, 
steht über Menschen / Pflanzen und Tieren, 
Sternbild und Zeit. 

Du hast ins Leben / alles gerufen. 
Herr, Deine Schöpfung / neigt sich zum Tode; 
Hole sie heim! 

Schenke im Ende / auch die Vollendung! 
Nicht in die Leere / falle die Vielfalt
irdischen Seins. 

Herr, Deine Pläne / bleiben uns dunkel. - 
Doch singen Lob wir / Dir, dem Dreieinen, 
ewigen Gott. Amen. 

Das sind keine angenehmen Themen. Entsprechend gerne gehen wir Menschen ihnen aus dem Weg. An das Ende aller Dinge und an das eigene Ende denken vor allem solche Menschen, denen ihr Leben hier und heute unerträglich geworden ist. Aber wenn ich hier mein Auskommen habe und einigermaßen angenehm leben kann, dann ist mir der Gedanke, dass alles mal zu Ende geht, eher unbequem. Manche Menschen macht dieser Gedanke auch tief depressiv. 
Doch Natur und Kirchenjahr mahnen nicht nur, dass es ein Ende gibt, sondern sie künden darüber hinaus auch einen neuen Anfang an. 
Wenn die Blätter von den Bäumen gefallen sind, bilden sich an ihrer Stelle die Knospen für den neuen Frühling. Und die biblischen Texte, die an den letzten Sonntagen im Gottes-dienst gelesen und gepredigt werden, weisen auch auf einen Neubeginn nach dem Ende hin. So heißt es beim Propheten Jesaja (65,17): 

Ja, vergessen sind die früheren Nöte, 
sie sind meinen Augen entschwunden. 
Denn schon erschaffe ich einen neuen Himmel 
und eine neue Erde. 
Man wird nicht mehr an das Frühere denken, 
es kommt niemand mehr in den Sinn.

So weist uns das Ende des Kirchenjahres auch darauf hin, dass es für uns nicht nur ein Ende gibt, sondern auch einen neuen Anfang. Unser persönliches Leben hat nicht nur ein Ende, sondern auch einen neuen, ewigen Anfang. Diese Schöpfung hier hat nicht nur ein Ende, sondern auch einen neuen, ewigen Anfang. Ein solcher Ausblick weitet den Horizont gewaltig. Mögen die Tage kürzer werden, möge das Corona-Virus uns noch mehr voneinander aus- und in unsere Wohnungen einschließen als Herbst und Dunkelheit es sowieso schon tun - ewig kann uns beides nicht festhalten. Ein Neuanfang wartet auf uns - hier in dieser Welt genau so wie in der kommenden. 

Ihr Stephan Ranke